Ostbevern. Es war kein gewöhnlicher Auftakt, sondern eine eindringliche Szene: Noch bevor die Besucherinnen und Besucher die Installation betrachten konnten, wurde der KunstKubus „La Folie“ selbst zur Bühne. Angelika Flaig eröffnete ihre Ausstellung „Figuren im Wechsel des Lichts“ am Sonntagnachmittag mit einer Performance, die unmittelbar in ihren Bann zog. Im Zentrum standen die vier Himmelsrichtungen – Sinnbilder für Ordnung, Orientierung und kosmische Struktur. Doch in Flaigs Inszenierung waren sie aus dem Gleichgewicht geraten, aus ihrer gewohnten Ordnung gefallen und gleichsam auf der Erde gelandet. Diese Idee einer „Anlandung aus dem All“ zog sich als starkes Bild durch die gesamte Eröffnung.
Ein zentrales Element der Performance war die Brücke, die in den Kubus führt. Sie wurde nicht nur zum Übergang zwischen Außen und Innen, sondern selbst zum künstlerischen Medium. Peter Schwieger, Tonkünstler aus Halle (Westf.), hatte sie in ein Klangelement verwandelt. Jeder Schritt, jede Bewegung wurde Teil der Komposition. So verschmolzen Körper, Raum und Klang zu einem intensiven Auftakt, der die Besucher unmittelbar ins Geschehen hineinzog. Im Inneren des Kubus begegnet man schließlich vier Figuren: kraftvolle Gebilde aus Baustahl und industriellen Negativformen verschiedener Materialität. Sie wirken archaisch und zugleich futuristisch – wie Relikte einer anderen Welt. Tagsüber zeigen sie sich in erdigen Farbtönen, fest verankert im Raum. Doch mit Einbruch der Dunkelheit geschieht eine Verwandlung: Neonfarben beginnen im Schwarzlicht zu leuchten und tauchen die Szenerie in eine fast außerirdische Atmosphäre. Was eben noch schwer und massiv erschien, scheint nun zu schweben. Auch nach der Performance bleibt der Klang ein wesentliches Element der Installation.
Die elektronischen Kompositionen von Peter Schwieger lassen sich per Smartphone abrufen und erweitern das visuelle Erlebnis um eine weitere Dimension. Die vier Figuren werden hörbar – als klangliche Entsprechungen der vier Himmelsrichtungen, die ihren neuen Platz suchen. Angelika Flaig, 1950 in Schramberg im Schwarzwald geboren und seit 2015 in Oebisfelde/Bösdorf in Sachsen-Anhalt lebend, verbindet in ihrem Werk Installation, Performance, Malerei, Grafik und Fotografie. Ihre Arbeiten zeugen von einer tiefen Auseinandersetzung mit Material und Raum sowie von einer Faszination für technische und digitale Möglichkeiten.
Dabei versteht sie Kunst stets als Dialog – zwischen Elementen, zwischen Künstlern, zwischen Werk und Publikum. Die Vernissage in Ostbevern machte diesen Dialog eindrucksvoll spürbar. Viele Gästeverweilten lange, ließen Licht, Stahl und Klang auf sich wirken und kamen miteinander ins Gespräch










